Sonderausstellung "ACHTUNG Spione!"

Geheimdienste in Deutschland 1945 - 1956

 

  • Wann: 18. März 2016 - 29. November 2016
  • Wo: MHM, Wechselausstellungsbereich im Erdgeschoss und in der Halle 28

Der Zweite Weltkrieg war in Asien noch nicht beendet, als der ehemalige Wehrmachtgeneral Reinhard Gehlen bereits für das US-Militär arbeitete. Sein Auftrag war unverändert. Er lautete: Aufklärung der Roten Armee. Von Sommer 1945 bis 1946 war der Kriegsgefangene Gehlen dazu mit einem kleinen Team in Washington tätig. Nach seiner Rückkehr baute er in Deutschland die nach ihm benannte Organisation Gehlen auf, Vorläufer des heutigen Bundesnachrichtendienstes (BND). Bis zur Gründung des BND am 1. April 1956 standen die hauptamtlichen Mitarbeiter und Spione Gehlens auf der Gehaltsliste der US-Regierung.

Zur erfolgreichen Arbeit von Geheimdiensten gehört, dass sie von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Geschieht dies doch, dann ist der Grund dafür meist ein Misserfolg, ein Regel- oder gar Gesetzesverstoß. In den letzten Jahren waren die deutschen Geheimdienste häufig in den Schlagzeilen. Wer die Entwicklungen der letzten Jahre und die Funktionsweise des BND heute besser verstehen möchte, muss den Blick auf seine Gründungsphase richten. Die große Sonderausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr „Achtung Spione! – Geheimdienste in Deutschland von 1945–1956“ macht genau dies möglich. Dazu wurden auch bestgehütete Akten aus dem Pullacher Archiv und streng bewachte Depots des BND geöffnet.

Foto: Minox-Kamera in Zigarettenschachtel (Marlboro) der Organisation Gehlen. MHM/David Brandt.

Gehlens jüngerer ostdeutscher Gegenspieler Markus Wolf lebte als sowjetischer Staatsbürger in Moskau, bevor er 1945 nach Deutschland zurückkehrte und später die Auslandsaufklärung der DDR aufbaute. Der mächtige Einfluss der sowjetischen „Berater“ auf die Geheimdiensttätigkeiten der DDR lässt sich auch an seiner Biografie ablesen – in der Emigration war ihm die Sowjetunion zur zweiten Heimat geworden. Während die USA und die Sowjetunion um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt rangen, kämpften in Deutschland zahlreiche Agenten und Spione an einer unsichtbaren Front um jeden Informationsvorsprung.

Das Aufklären moderner Waffensysteme der Gegenseite war ein Schwerpunkt der Spionagetätigkeit im Kalten Krieg. Sie fand zu einem erheblichen Teil auf deutschem Territorium statt. Panzer und Flugmittel, darunter ein Kampfpanzer Josef Stalin III, ein US-Spionageballon sowie eine Mk/B53 Wasserstoffbombe, die stärkste im US-amerikanischen Kernwaffenarsenal, sind Teil der Ausstellung. Nicht nur die großen Objekte zeugen von spannenden Geschichten. Der Ausweis des damaligen Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph etwa ist ein kleines Objekt – aber es war eine Sensation, dass es sich, offenbar von Spionen erbeutet, im Besitz von Reinhard Gehlen befand.

Foto: Maschinenpistole (Modell MP-40) von Reinhard Gehlen. MHM/David Brandt.

Die Ausstellung „Achtung Spione!“ zeigt mehr als 600 Objekte und Dokumente, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sind. Noch nie gezeigte Dokumente und Erinnerungsstücke aus privaten Nachlässen ergänzen die Ausstellung. Die Besucher erhalten Einblicke in das Leben und Handeln der bekanntesten Persönlichkeiten deutscher Spionagegeschichte im beginnenden Kalten Krieg.

Eine zweibändige Begleitpublikation erscheint im Sandstein-Verlag. Der Essayband vereint Beiträge renommierter Wissenschaftler zur Geschichte von Org und BND. Interviews mit Egon Bahr und Daniel Ellsberg, dem „Vater“ der Whistleblower, lenken den Blick aber auch auf die Gegenwart. Die umfangreiche Publikation ist vergünstigt im Museumsshop erhältlich. Speziell erarbeitete Führungen, ein Audio-Guide, ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm und eine Filmreihe ergänzen die neue Ausstellung in Dresden.

Kurator: Dr. Magnus Pahl, Historiker im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Dresden.